Stadtentwässerung Dresden – Lvivvodokanal

Know-how-Transfer zwischen West und Ost

Deutsch-ukrainische Betreiberpartnerschaft setzt auf Dialog zwischen Fachleuten.

Wie kann der ukrainische Wasserbetreiber Lvivvodokanal seine Dienstleistungen optimieren? Und wie können seine deutschen Partner ihn dabei unterstützen? Die Antworten hierauf nutzte die deutsch-ukrainische Betreiberpartnerschaft als Basis, um einen ambitionierten Arbeitsplan zu erstellen. Dabei geht es nicht nur um technische Themen.

Die Projektbeteiligten

Internationaler Partner

Lvivvodokanal

Das Wasser- und Abwasserunternehmen Lvivvodokanal der Stadt Lviv (Lemberg) im Westen der Ukraine gehört der Gebietskörperschaft der Stadt Lviv und ist das größte Wasserversorgungs- und Entsorgungsunternehmen in der Region. Zum Einzugsgebiet gehören etwa 730.000 Menschen und 10.000 Unternehmen. Lvivvodokanal betreibt zur Trinkwasserversorgung ein etwa 2.250 Kilometer langes Wassernetz. Das Entwässerungssystem der Stadt besteht aus einem 765 Kilometer langen Kanalisationsnetz, 15 Abwasserpumpstationen und zwei Kläranlagen.

Lead-Betreiber

Stadtentwässerung Dresden

Die Stadtentwässerung Dresden GmbH erbringt Dienstleistungen auf den Gebieten der Abwassersammlung, -ableitung und -behandlung, der Umweltanalytik sowie bei der Planung und dem Bau von Abwasseranlagen. Das Unternehmen erreicht rund 670.000 Kunden in Ostsachsen. Mit etwa 400 Mitarbeitenden, einem Jahresumsatz von 85 Millionen Euro und jährlichen Investitionen von rund 30 Millionen Euro gehört es zu den größeren der Branche.

Projektbeteiligte

Berliner Wasserbetriebe

Die Berliner Wasserbetriebe sind für die Trinkwasserversorgung und die Abwasserentsorgung in Berlin und in Teilen Brandenburg verantwortlich. Im Jahr 2019 verkauften sie 220 Millionen Kubikmeter Wasser. Das Entwässerungsnetz umfasst knapp 10.000 Kilometer Kanäle. Träger der Berliner Wasserbetriebe ist das Land Berlin.

Projektbeteiligte

Stadtentwässerungsbetriebe Köln

Die Hauptaufgaben der Stadtentwässerungsbetriebe Köln umfassen die Abwasserbeseitigung, den Hochwasserschutz und die Hochwasservorsorge sowie die Betreuung der fließenden Gewässer und der Parkweiher im Stadtgebiet Köln.

Das Projekt

Kostendeckende Tarife

Mit seinen Einnahmen aus Gebühren für Wasser und Abwasser ist es für Lvivvodokanal kaum möglich, seine Kosten für den Betrieb des Rohrnetzes, der Kläranlagen und vielem mehr zu decken. Daher wollen die Partner einen Leitfaden erstellen, wie die Tarife am besten realistisch kalkuliert werden könnten. Damit will Lvivvodokanal einen Dialog mit der Politik anstoßen, da diese die Tarife festlegt.

Personalmanagement

Für Lvivvodokanal ist es ähnlich schwierig wie für deutsche Wasserbetreiber, den Bedarf an Fachkräften zu decken. Die Mitarbeitenden des Unternehmens sind durchschnittlich zwischen 55 und 65 Jahre alt, die Löhne meist gering und die Berufsbilder wenig attraktiv für qualifizierte junge Menschen. Daher tauschen sich die Betreiber aus, wie sie Anreize für Mitarbeitende schaffen können, im Unternehmen zu bleiben, und wie sie sich Bewerberinnen und Bewerbern gegenüber attraktiv darstellen können.

Optimierung von Anlagen und Prozessen

Der Personalaufwand von Lvivvodokanal für die Instandhaltung des Abwassernetzes ist sehr hoch. Das zeigt: Hier gibt es ein großes Einsparungspotenzial. Die Bertreiber planen technische Schulungen unter anderem zur Reduzierung von Wasserverlusten, zur Einhaltung von Qualitätsstandards und zur Klärschlammverarbeitung. Dabei sollen die Teilnehmenden aus Lviv zu Multiplikatorinnen und Multiplikatoren ausgebildet werden und ihr neu erworbenes Wissen in die Breite tragen. Durch nachhaltige Investitionen und ein modernes Anlagen-Management könnte Lvivvodokanal viel Energie sparen. Am Beispiel eines Pumpwerks und einer Kläranlage wollen die Partner exemplarisch die Strukturen für ein bedarfsgerechtes und langfristig sicheres Anlagen-Management und für eine solide Investitionsstrategie entwickeln.

Aktivitäten

Für all diese Arbeitsbereiche haben die Betreiber ein einheitliches Vorgehen festgelegt: Gemeinsam analysieren und bewerten sie die Ist-Situation bei Lvivvodokanal, um auf dieser Basis Vorschläge für gemeinsame Aktivitäten zu entwickeln. Die Roadmap mit Zeitplan und Instrumente ist festgelegt, die Ziele klar definiert: Im Januar 2021 ging es los, aufgrund der COVID-19-Pandemie zunächst virtuell.
 

Stimmen zum Projekt

„Ein Unternehmen kann nicht ‚nicht wirken‘. Deshalb will die Stadtentwässerung Dresden mit Lvivvodokanal zusammenarbeiten und dort das Abwasser-Management nachhaltiger gestalten. Wir möchten unser Wissen teilen und vom Wissen der Partner in Lviv profitieren. Deren Ausschreibungssystem ist zum Beispiel sehr interessant. Unsere bisherigen Erfahrungen mit Projekten in der Ukraine, in Jordanien und Vietnam werden uns in dieser langfristig angelegten Partnerschaft sehr hilfreich sein.“
Willy Lenk, Referent, Marketing und Vertrieb, Stadtentwässerung Dresden

„Neben unseren großen Arbeitspaketen haben wir schon einen guten Austausch auf der Arbeitsebene etabliert und von den Kolleginnen und Kollegen aus Dresden, Berlin und Köln viele praktische Tipps bekommen. Schließlich sind wir alle mit ähnlichen Problemen konfrontiert. Entscheidend ist, dass unsere Fachleute bereit sind, zusammen mit den deutschen Betreibern innovative Wege einzuschlagen und sich auf Veränderungen einzulassen – nur so können wir unsere Wasserversorgung und Abwasserentsorgung nachhaltig verbessern.“
Volodymyr Bilynskyy, Deputy of Chief Engineer, Lvivvodokanal

Projektprofil

 
Projektpartner

Ukraine:

Lvivvodokanal, Lviv, Ukraine

Deutschland:

Stadtentwässerung Dresden (Lead-Partner)

Berliner Wasserbetriebe

Stadtentwässerungsbetriebe Köln

Themenschwerpunkte

Kostendeckende Tarife

Personalmanagement

Optimierung von Anlagen und Prozessen

Aus der Projektarbeit

Template: List
Aus „ONLINE“ wird „PERSÖNLICH“

Aus „ONLINE“ wird „PERSÖNLICH“

08.11.2021

Update aus der Betreiberpartnerschaft mit Lvivvodokanal

Top